Storys

Dienstag, 24. Juli 2007

Kellerschätzchen...

Kennst Du das?
Du begibst sich in den Keller oder auf den Dachboden,
um etwas Bestimmtes zu finden.
Und weil Du nicht so genau weißt, wo sich das Gesuchte versteckt haben könnte, öffnest Du Schubladen, Kartons oder vergessene Schatzkisten, deren Inhalt Dich sofort dazu verführt, Dich hinzusetzen und zu stöbern.
Du vergisst die Welt um Dich herum, betrachtest alte, liebgehabte, mittlerweile in Vergessenheit geratene Dinge: Fotos, Briefe, Selbstgeschriebenes....
und dann tauchst Du ein in Zeiten, die einmal waren, erinnerst Dich an Begebenheiten mit Menschen, die Dich ein Stück Deiner Lebenszeit begleitet haben.
Manch einer Schachtel entstömt beim Öffnen noch der Hauch eines Duftes, eines Geruchs aus der Zeit, die man ´Damals´ nennt.
Aus einem alten Buch fällt ein Foto, das vermutlich einmal als Lesezeichen diente.
Du hebst es auf und erkennst darauf einen Menschen, der Dir einmal wichtig war, oder etwas, was Du schon lange vergessen hast.

Mir ging es am Wochenende so.
Das Bild, das mir da zufällig nach Jahren wieder in die Hände fiel,
zeigt mein allererstes Auto.

Das erste Auto (1969)
Gekauft 1969
Einen Opel P1, Baujahr 1963. Blassgelb, Lenkradschaltung.
Kaufpreis 350.- D-Mark...

Und plötzlich sind die Geschichten wieder da:
wie ich es schon lange vor meiner Führerscheinprüfung
auf dem Hinterhof stehen hatte.
Wie ich es polierte, mich immer wieder hineinsetzte und davon träumte,
endlich damit losfahren zu können.
Stolz wie Oskar. Mit meiner Freundin als Beifahrerin.
Und wie ich dann durch die erste Führerscheinprüfung rasselte.
Und dann todtraurig mit der Strassenbahn statt mit dem Auto
nach Hause fahren musste.
Und nach sechs Wochen Wartezeit auch die zweite Prüfung vermasselte.
Und wie glücklich ich dann endlich im dritten Anlauf meinen Führerschein in Empfang nehmen durfte, mich in mein Auto setzte, losfuhr,
zum ersten Mal ganz allein - ohne Fahrlehrer.
Und prompt nach nur drei Kilometern (!) auf der Bulmker Straße in Gelsenkirchen
in die erste Radarfalle meines Lebens rauschte.
Und die Polizei kein Erbarmen mit mir hatte, sondern mir die 20 Mark,
die eigentlich für´s allererste Tanken gedacht waren, abknöpfte...

Was ich im Keller gesucht habe?
Ich hab´s vergessen.

Bissi Tage!

Freitag, 8. Dezember 2006

Ich bin auf Partnersuche.

Ich bin auf Partnersuche. Na und?
Zugegeben, es muss ja nicht von langer Dauer sein.
Nur für diese Zeit, in der man es sich gern zu Hause richtig kuschelig macht,
Musik hört, ein gutes Glas Rotwein geniesst.

Heute habe ich dann endlich so ein Institut aufgesucht.
Und ich wurde fündig. Hätte ich nicht gedacht, dass das so schnell geht!
Ich kann es noch gar nicht fassen, aber sie liegt schon bei mir zu Hause.....

Etwas ungeübt in solchen Angelegenheiten
spreche ich den Berater auf meinen Wunsch an:
"Guten Tag - ich weiss nicht, ob Sie mir helfen können?"
Verlegen nestle ich an meinem Mantelknopf herum.
So etwas macht man ja nicht alle Tage.
"Also, ich weiss nicht, also ich denke da so an eine Schlanke...."

"Schlank? Jaaa, da haben wir doch gleich, Moment noch...
Gucken Sie mal: wie gefällt Ihnen diese?"

Was er mir da zeigt, entspricht nicht so ganz meiner Vorstellung.

"Ich weiss nicht.
Sie ist hübsch. Schon. Ja.
Aber doch, na ja: etwas zu klein.
Also, sie sollte schon eher so meine Größe haben, hätten Sie da...?".

"Ich schaue einmal nach", und verschwindet nach hinten,
um mir das Passende aus seinem reichlichen Angebot zu suchen.
Vielleicht hätte ich doch besser inserieren sollen...
"Na? was meinen Sie?"

"Hmmmm. Jaaa..." zögere ich,
"diese wäre schon etwas für mich. Nur: also, *hüstel* wie soll ich es sagen:
untenrum ist sie doch etwas zu breit. Also, etwas schlanker wäre schon schöner:
Wissen Sie, ich hatte schon mal eine, die unten zu Viel hatte.
Mag ich ehrlich nicht so...
Vielleicht bin ich da auch zu wählerisch,
aber man verbringt ja auch einen Teil seines Lebens....."

Und dann verschwindet er für eine Weile
und kommt mit einem nordischen Traum an.
Er stellt sie mir vor: schlank in einem hautengen,
beinahe transparenten Netzkleid, das er ihr gerade brutal vom Körper reisst,
was mir beinahe körperliche Schmerzen bereitet, aber:
Ich erkenne sofort, wie schön sie gewachsen ist...
Ich berühre sie zaghaft, beinahe zärtlich.
Sie ist es, das spüre ich sofort. Wenn ich mit der zu Hause........

Dass sie irgend ein brutaler Kerl noch vor kurzer Zeit geschlagen haben soll,
mag ich mir gar nicht vorstellen, man sieht es ihr auch nicht an.
Nein. Sie soll es gut bei mir haben.
Gerade in dieser kalten Jahreszeit.
Sie weiss es noch nicht:
Ich habe sogar etwas Schmuck für sie gekauft.
Keine Brillis.
Dafür scheint sie auch gar nicht der Typ zu sein.
Vielleicht mag sie es, wenn ich ihr bei mir zu Hause etwas vorsinge.

Hoffentlich nadelt sie nicht.


Bissi Tage!
©Lo

Freitag, 9. Dezember 2005

Schadenfreude beim "Lieblings-Italiener"...

Allora!
Ich betrete das wunderhübsch weihnachtlich dekorierte Lokal unseres Lieblings-Italieners, ein appetitlicher Duft mit einem Hauch von Espresso strömt mir entgegen. Gut besucht.
Die meist zusammengestellten Tische sind überwiegend von Krawattenträgern und Bürokostümdamen besetzt.
Es ist also wieder soweit: die Saison der Firmen-Weihnachtsessen hat begonnen.
Die zunächst gesittete Firmengesellschaft an unserem Nebentisch hat bereits gegessen,
Rotweingläser sind reichlich geleert, die Stimmung ist lockerer und die Lacher werden lauter.
Ein weingeröteter Sachbearbeitertyp mit schütterem Haar und gelbblaugetreiftem Schlips kokettiert stets bei Erscheinen des Kellners mit seinen Itaienisch-Kenntnissen: "Si! Per me, per favore! Grazie!"
Er versucht, dem italienischen Kellner eine Freude zu machen:
das Essen sei einfach nur "benissimo" und überhaupt: "sono qui per imparar italiano", nicht, ohne darauf zu achten, dass die weinselige graumausige Sachbearbeiterin mit den roten Bäckchen neben ihm das auch mitbekommt.
Vielleicht möchte er, dass sie ihn für seinen weltmännischen Umgang mit dem Italiano etwas bewundert. Und sie guckt ihn auch ganz lieb dafür an.
Irgenwann später zahlt die Truppe und verläßt den Tisch.

Ich bekomme mit, wie der sprachgewandte gelbblaugetreifte Schlips,
den Mantel schon in der Hand, die Graumausige dicht neben sich, den Kellner fragt:
"Und aus welcher Ecke Italiens kommen Sie her?"
"Aus Nord-Nord-Italien."
"Nord-Nord-Italien?? Und wo genau?"
"Na ja: ehrlich gesagt, aus dem Sauerland, südlich von Schmallenberg.
Da bin ich geboren. Ich bin kein Italiener."

Irgendwie habe ich das Gefühl, die Bewunderung der Graumausigen für den Gelbblaugestreiften hat in diesem Augenblick etwas Schaden genommen.

Und ich fühle mich wunderbar.
Schadenfreude?
Si! Un poco!

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