Heute. Heiligste Mittagszeit.
Das Telefon. Ich nenne notgedrungen, aber höflich meinen Namen.
"Guten Tag - Herr Spiegelei,
Sivia Berger von der SKL bei RTL.
Herr Spiegelei - wussten Sie, dass heute Ihr Glückstag ist?"
"Nein, davon wusste ich nichts. Und warum ist heute mein Glückstag?"
"Sie haben einfach Glück, Herr Spiegelei:
Sie wurden von unserem Computer ausgewählt, Kanditat bei Günther Jauch in der nächsten 5-Millionen-SKL-Show sein zu können."
"Ich??? Kandidat bei Günter Jauch?"
"Ja, Herr Spiegelei. Sie wurden ausgewählt, dabeisein zu können, auf dem berühmten Stuhl bei Jauch sitzen zu dürfen. Und ich habe den Auftrag, Sie anzurufen, um Ihnen das mitzuteilen. Sehen Sie: heute ist eben Ihr Glückstag. Sie dürfen sich freuen!"
"Hmm...."
"Herr Spiegelei?"
"Ja."
"Hat es Ihnen die Sprache verschlagen? Vor Freude?"
"Nein, wissen Sie..."
"Nein?"
"Nein, nicht so."
Wissen Sie, *räusper* meine Mutter ist nämlich gestorben."
P a u s e .
"Oh, das tut mir jetzt aber leid, Herr Spiegelei."
"Ja. Mir auch. Deshalb, verstehen Sie... passt das jetzt nicht so.
Mit dem Glückstag, meine ich."
"Ja, das kann ich verstehen, Herr Spiegelei, dass das jetzt nicht so passt.
Das tut mir leid, das konnten wir natürlich nicht wissen. Vielleicht ein anderes Mal? (Pause...) Dann wünsche ich Ihnen alles, alles Gute, Herr Spiegelei."
"Danke, Frau Berger, das ist sehr nett. Auch Ihnen alles Gute!"
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Da fällt mir gerade ein: ich müsste mal wieder zum Friedhof.
Jetzt ist meine Mutter schon über 20 Jahre tot.
Die Zeit vergeht aber auch... ;-)
SPIEGELei - Fr, 10. Mär, 17:32
"Kerl inne Kiste! Hömma, wat müffelt dat hier so? Sach ährlich: warss Du dat?"
"Wat?"
"Ja, hasse ein faahn lassen?"
"Nöööööö, happich nich."
"Komm, hör doch auf. Du stinkst ja, als oppe en toten Vogel inne Tasche hättest !"
Liebe Duftexperten,
so - oder so ähnlich klang es bis in jüngster Zeit im Ruhrgebiet, wenn man den Nachbarn, Freund oder Bettgenossen verdächtigte, gefurzt zu haben, dass bei ihm eine Flatulenz aufgetreten sei.
Man öffnete das Fenster oder machte bis zur Verflüchtigung der Duftmarke einen Bogen um den Stinker, und damit hatte es sich.
Wie unschuldig und harmlos waren doch bis dato derlei Vorgänge.
Wer jedoch heute in den Verdacht gerät, "einen toten Vogel in der Tasche zu haben", muss damit rechnen, ratz-fatz mit "Lalülalü" überfallkomandoartig zwangsweise in eine für Vogelgrippefälle geeignete Einrichtung verschleppt und dort von der Allgemeinheit abgesondert untergebracht zu werden, weil er eine Ansteckungsquelle für die Allgemeinheit darstellen könnte..
Durch das Bundesseuchengesetz wird das grundgesetzlich verbriefte Recht auf Freiheit seiner Person aufgehoben.
--> Was lernen wir daraus?
Wir erkennen, dass die Zeiten sich geändert haben, dass der sprachliche Umgang mit Personen, denen ein Darmwind entfleucht ist, neu überdacht werden muss.
Der einst scherzhafte gemeinte Ausruf: "Puhhh, hast Du ´nen toten Vogel in der Tasche?" kann für den so Angesprochenen zur oben beschriebenen Katastrophe führen.
--> Was ist zu raten?
Vielleicht spricht man den verdächtigen Darmwindlasser harmlos an: "Oh, es riecht plötzlich so nach Äpfeln und Nüssen. Warst Du das?" oder: "Hast Du hier einen Schirm stehen lassen?".
Der Phantasie bei der Ansprache sei da nur eine (!) Grenze gesetzt: der Begriff "toter Vogel" ist unbedingt zu vermeiden!
Ist der entwichene Flatus obendrein mit ordentlichem Geräusch verbunden, kann man auch, je nach geblasener Lautstärke ein anerkennendes: "Hömma, da bisse aber auf ein richtig dicken Frosch getreten!" anhängen.
Oder gibt es schon erste Fälle von Froschgrippe?
Bissi Tage!
Lo
nach Diktat verduftet.
SPIEGELei - Fr, 17. Feb, 20:32
Zuerst mein Geständnis: Ich mag IKEA.
Etwa 3-4 mal im Jahr begebe ich mich mit Vorfreude auf dieses schwedische Terrain, staune über die vielen bunten mobiliaren Ideen, über den herrlichen Kleinkram für wenig Geld, beobachte mit Lust Paare, die probesitzen, probeliegen, mit Bleistift und Papier ihr Nest zusammenplanen und bemerke es oftmal gar nicht mehr, dass ich schon wieder einmal mindestens zwei Gratis-Bleistifte eingesteckt habe.
Jetzt meine Befürchtung:
Heute war ich wieder im schwedischen Möbelhaus. In Essen.
Noch bevor ich meinen ersten obligatorischen Gratis-Bleistift abgreifen konnte,
hörte ich es wieder!
DIE STIMME!
Es ist immer der gleiche Spruch:
"LIEBE ELTERN, DIE KLEINE JESSICA KASUPPKE
MÖCHTE AUS DEM Småland ABGEHOLT WERDEN!"
Jessica Kasuppke heisst also das aktuelle Opfer.
Ich kann es nicht fassen: alle hören es - und scheinbar niemand greift ein!
DAS IST DER VERZWEIFELTE HILFERUF EINES KINDES!
Entsetzliche Bilder gehen mir durch den Kopf: das arme Mädchen, gewaltsam festgehalten von zwei resoluten, blaugelb gekleideten Småländerinnen, versucht, dem kunterbunten Bällchenparadies zu entkommen.
Es gelingt ihm nicht.
Die beiden Blaugelben stopfen dem schreienden Kind abwechselnd runde IKEA-Kotbullar (schwedische Fleischbällchen) in den Mund, um es so zum Schweigen zu bringen.
Kommen dann die Eltern, um Jessica abzuholen, finden sie ein stilles Kind vor, etwas verweint. Und sie glauben, die Tränchen seien wegen des Trennungsschmerzes von Papa und Mama gekullert.
-> Was aber geschieht wirklich im IKEA-Småland?
-> Warum wollen immer alle Kinder aus dem Småland abgeholt werden?
Wird man es je erfahren?
Sachdienliche Hinweise...